Arbeit und Struktur

Wolfgang Herrndorf heißt der Autor des Buches Arbeit und Struktur. Es handelt sich dabei aber eigentlich gar nicht um ein Buch im klassischen Sinne, sondern um einen in ein Buch gefassten Blog, den Herrndorf nach seiner Diagnose  – Hirntumor, Glioblastom -gute 3 Jahre bis zu seinem Tod mit Leben gefüllt hat.

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Wolfgang Herrndorf ist am 26.08.2013 gestorben und das Buch ist im Dezember 2013 erschienen. Ich bin froh, dass ich erst durch das Buch auf diesen Autor aufmerksam geworden bin, da ich das Buch auf diese Weise schnell verschlingen konnte und nicht tagesweise auf Neuigkeiten warten musste – ich mag keine Adventskalender. Zuerst war ich skeptisch, ob das denn die richtige Januarlektüre ist, sich in diesem ohnehin trüben Wettermonat durch ein noch dazu thematisch düsteres Online-Tagebuch zu quälen. Die Angst war unbegründet, das Tagebuch zog mich schon nach wenigen Seiten in seinen Bann. Das Buch sorgt dafür, dass das Thema Krankheit und Tod hautnah erfühlt wird, jeder weiß es, keiner spricht darüber – aber wie fühlt es sich denn an, wenn man weiß, dass einem nur noch wenige Monate oder Jahre bleiben? Was passiert mit einem Menschen, welche Sachen werden wichtig, welche unwichtig, wie geht man damit um? Wolfgang Herrndorf beschreibt seinen Krankheits- Leidens- und Sterbeprozess in sehr klaren und vorstellbaren Worten. Viele Sätze will man unterstreichen oder anmarkern, gar auswendig lernen, um sie nie mehr zu vergessen. Viele Bücher und Filme, die er als wichtig und gut erkennt, habe ich auch in meiner Erinnerung als solche empfunden und mich dadurch ein Stück weit mit ihm verbunden gefühlt. Die Angst vor dem unausweichlichen Tod kann mitgelebt werden und hinterlässt oft ein aufwühlendes, aber auch sehr ehrliches Gefühl, denn genau so, muss es sein, wenn es tatsächlich soweit ist. Und wie Herrndorf auf dem Buch der Weisheit der Bibel (1,16) zitiert: „für das Ende des Menschen gibt es keine Arznei und man kennt keinen, der aus der Welt des Todes befreit.“ Dieses (Tage-)buch hat bei mir eine Tür für neue Gedanken, für ein anderes, erweitertes Bewusstsein über das Leben und den Umgang mit dem Tod geschaffen. Wertvoll! Vielleicht geht es Euch auch so?